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Achtung, Hochspannung! Jugendbundesligasaison #2
Juli, 2026 · By Johannes Theisen
Es gibt sie, diese Sprüche und Gerüchte, die seit Ewigkeiten in der Sportlandschaft herumgeistern. Oft weiß niemand so recht, ob sie nur so dahingesagt sind oder ob wahre Weisheit in ihnen steckt. Bei manchen ist das schnell geklärt (nehmen wir z.B. mal „Fußball ist wie Schach, nur ohne Würfel“), andere fordern immer wieder neu dazu heraus, den sie umgebenden Nebel zu lichten. Ein solches Gerücht ist das vom verflixten zweiten Jahr. Für Aufsteiger in die Fußballbundesliga etwa, sei die zweite Saison immer die schwerste. Verflogene Euphorie, steigender Erwartungsdruck, mehr Respekt seitens der anderen Mannschaften – und schon werde es sehr schwer mit dem Klassenerhalt.
Nun, für uns galt es, das zu widerlegen! Denn auch die erste U20 stand nach dem geglückten Klassenerhalt in der Saison 2024/25 diese Saison vor ihrem zweiten Jahr: Zum zweiten Mal höchste Spielklasse in der U20, zum zweiten Mal Jugendbundesliga. Mehr Respekt seitens der anderen Mannschaften? Möglich. Steigender Erwartungsdruck? Nun ja, mit seiner „Road to DVM“-Ansage hat es der Mannschaftsführer vielleicht etwas übertrieben. Aber verflogene Euphorie? Niemals! Es ging mit voller Motivation durch die Saison, vom November bis in den Juni!
In dieser Zeit folgte ein spannender Mannschaftskampf auf den nächsten – das wird deutlich, wenn man auf die Ergebnisse blickt: 2.5:3.5 gegen Porz, 2.5:3.5 gegen Münster, 4:2 gegen Brackel, 2.5:3.5 (schon wieder!) gegen Krefeld, 3:3-Sieg gegen Essen, 1.5:4.5 gegen Erkenschwick, 4.5:1.5 gegen Bielefeld. Einige kleine Geschichten sollen einen Überblick verschaffen.
Fotos vom Saisonabschlussgrillen – oben links fast komplett die aktuelle Mannschaft mit Schiedsrichter Philipp, oben rechts das Stammteam der Zukunft, das unten links schonmal für nächste Saison trainiert.
Doppelspieltag in der Jugendbundesliga – und ein Überraschungscomeback als Orang-Utan-Zähmer
Wait, what? Hat sich die Schachjugend an das Oberliga-System angepasst? Nein, keine Sorge! Und trotzdem richtig gelesen! Am Wochenende des 29./30. November spielen wir gleich doppelt. Auf Bitte unserer Münsteraner Gegner hin haben wir unseren Mannschaftskampf um mehr als zwei Monate verschoben – und das mangels alternativer Termine dann eben so gelöst. Samstag, 14 Uhr: Wir treten gegen den nominell schwächsten Starter der Liga an: Die SK Münster. Es geht gut los, am schnellsten gewinnt Max. Als er schon die Bahn zurück nach Köln nimmt, rechnet er angesichts der Situation an den übrigen Brettern mit einem 5:1-Sieg für uns. Dann stelle ich meine +5-Stellung weg, Zeno seine Dame und Michael seine Mehrbauern – das 2.5:3.5 schmeckt extrem bitter und sorgt dafür, dass der Autor seinen Frust schließlich an ziemlich unangebrachten Schimpftiraden auf die Hässlichkeit des Dortmunder Weihnachtsmarktes auslässt.
Besser wäre es gewesen, den am nächsten Tag auf dem Brett zu verarbeiten. Das gelingt zumindest mir eigentlich überhaupt nicht, bis mein Gegner in für ihn deutlich besserer Stellung ein Matt in 1 einstellt. Ein Sinnbild der Kuriosität dieses Wochenendes. Eine richtig starke Leistung zeigen zum Glück Nelson und Max – sie haben schon am Vortag gewonnen, und sie tun es in Brackel wieder. Zeno steuert einen Halben bei. Und dann kommt da noch dieser halbe Punkt von der Überraschungsnominierung des Wochenendes – Ehemalige Säule der U20, Mitarchitekt des Aufstiegs, und nun Orang-Utan-Zähmer gegen Uri Römer (Kontext: Dieser eröffnete mit 1. B4). Mark ist nochmal am Start gewesen und holt ein starkes Remis!
Drama am letzten Brett – gleich mehrmals
Mannschaftskämpfe sind etwas Schönes – man spielt nicht nur für sich, sondern zusammen mit Mannschaftskollegen und Freunden. Und das eigene Ergebnis trägt bei zu einem wichtigeren, ja größeren, Resultat. Doch manchmal kann genau das zu einer sehr leidvollen, tragischen Erfahrung werden. Wer das nicht glaubt, möge sich einmal bei Timon erkundigen. Gleich am ersten Spieltag ist sein schwieriges Springerendspiel gegen Moritz Blomer beim Stand von 2.5:2.5 die einzige Partie, die noch läuft. Er verteidigt zäh und genau, erobert den gegnerischen Randbauern. Fast scheint das Remis eingetütet, da plötzlich der Blackout – Sf4+, und damit die Abwicklung in ein verlorenes Bauernendspiel. Wir unterliegen knapp im Stadtderby. Davon muss man sich erstmal erholen. Zwei Monate später: Wir liegen gegen Krefeld mit 2:3 zurück, Timon hat an Brett 5 nach einer sauberen Partie ein Bauernendspiel auf dem Brett, bei dem der Gewinn in der Luft zu liegen scheint. Aber schon wieder diese Last, dieser Druck, erst recht nach dem, was zwei Monate zuvor passiert war: Plötzlich zieht der schwarze König nach h5, Weiß macht mit h3 zu – und auf einmal ist das Endspiel nicht mehr zu gewinnen. Wir verlieren 2.5:3.5. Tragödie Nummer 2. Doch das soll es noch nicht gewesen sein: Wiederum etwa zwei Monate spielen wir gegen Essen-Werden. Nach nur einem Mannschaftssieg in den ersten 4 Runden muss schon fast ein Sieg her, um Chancen auf den Klassenerhalt zu wahren. Kurz nach der Zeitnotphase steht es 2.5:2.5. Nelson hat kampflos gewonnen, also würde uns ein Remis in der letzten verbleibenden Partie zum Mannschaftssieg reichen. Wer spielt die? Timon. Auf dem Brett? Eine sehr knifflige Stellung. Was für ein Sadismus des Schach-Schicksals! Doch an diesem Punkt schreibt Timon diese Geschichte selbst so zuende, dass sie hier jetzt mit Happy End stehen kann. Denn nach dieser Vorgeschichte behält er die Nerven, wehrt das Spiel seines Gegners ab und hat am Ende fast noch selbst Chancen auf den Sieg. Er holt das Remis und uns damit einen unglaublich wichtigen Sieg! Unter maximalem Druck hält er so die Hoffnungen auf den Klassenerhalt am Leben – Riesengroßen Respekt dafür!
Gastfreundschaft lohnt sich!
Gastfreundschaft – seit der Antike gilt sie bis heute als wichtige und lohnende Tugend. Der KKS kann davon ein Lied singen. Sind doch nur zu oft Gäste bei uns im Vereinsheim, die den Vereinsabenden neuen Schwung mitgeben. In der Jugendbundesliga ist die Gastfreundschaft jedoch gar kein so ganz selbstloses Geschäft: Ein Verein bietet einen Platz in seinen Jugendmannschaften bei nur passiver Mitgliedschaft an, der Gastspieler steuert dafür in dieser Mannschaft seine Schachkünste bei. Diese Saison jedenfalls ist unsere erste U20 bei dem Geschäft äußerst gut weggekommen. War es schon erfreulich genug, dass sich sowohl Max als auch Kuba dazu entschieden hatten, als Gastspieler bei uns mitzuwirken, war ihre Performance umso erfreulicher und für uns eine wahre Überlebensvoraussetzung. Zusammen holten sie 5.5/7! Was Gäste gerne zum Abschluss zu hören bekommen, gilt hier umso mehr: Danke, dass ihr da wart!
FM Nelson Strehse!
Wo wir bei Überlebensvoraussetzungen sind, darf ein Name natürlich nicht fehlen: Seit Jahren eine unverzichtbare Stütze der Mannschaft, hütete Nelson diese Saison nun zum zweiten Mal in Folge unser Brett 1 – und das mit einer überragenden Ausbeute von 5.5/7 Punkten: Geschlagen nur von FM Emil Schuricht. Die Krönung seiner Saison aber spielt sich am 9. Mai ab – Zoomen wir einmal näher heran:
Es ist eine schwere Auswärtsfahrt, die da für uns ansteht. Und vor allem eine lange – 2.5 Stunden bis nach Erkenschwick, um dann da womöglich auf das berüchtigte Starensemble zu treffen, das sich dort in den letzten Jahren zusammengefunden hat. An der Spitze U16-Europameister FM Mykola Korchynskyi. Für Nelson bietet sich heute eine besondere Gelegenheit. Akribische Rechnungen vor der Abfahrt haben ergeben, dass ein Remis gegen Mykola reichen würde, um sich erstmals über die magischen 2300 zu hieven und den FM-Titel zu sichern. Einige Stunden Bahnfahren, einen Imbissstopp und einen spontanen Spiellokalwechsel später dann die Überraschung: Mykola spielt nicht, an Brett 1 sitzt Jan Vortmeier. Auch kein Problem: Der wurde dann einfach mal besiegt – und so reichte es sogar eindeutiger, als wenn es das Remis gegen Mykola gegeben hätte. Endlich der verdiente FM-Titel, zu unserer Freude klargemacht in einem U20-Mannschaftskampf. Gut, dass diese Saison die ELO-Auswertung neu eingeführt wurde!
Hitziges Gefecht, viele Ventilatoren und ein tiefes Aufatmen
21.Juni, 32 Grad im Schatten, Köln-Innenstadt: Perfekte Bedingungen für ein Endspiel sehen anders aus. Doch daran lässt sich nichts ändern – unter diesen Bedingungen geht es um alles: Klassenerhalt, oder Abstieg? Gegen den Bielefelder SK dürfte ein hitziges Gefecht anstehen. Zum Glück aber lässt sich im KKS immerhin ein erstaunlicher Haufen an Ventilatoren auffinden. Nur einer ist zu laut, die anderen fünf sorgen für angenehmen Wind. Für Wettermeldungen von den anderen Schauplätzen sorgt indes der von Staffelleiter Tobias Niesel und den vier Schiris vor Ort umgesetzte Live-Ergebnisdienst. Philipp schreibt die aktuellen Ergebnisse live auf ein Flipchart, um uns immer bestens zu informieren.
Unsere Aussichten sind nicht die besten. Mit 8 Mannschaftspunkten vorletzter, 2 MP hinter vier weiteren Mannschaften: Wir sind zum Siegen gezwungen. Was uns in die Hände spielt: Unsere Bielefelder Gegner sind schon sicher abgestiegen. Vielleicht deshalb nehmen sie die Reise nach Köln zwar in guter, aber auch nicht in bester Besetzung auf sich. Was folgt, ist an den meisten Brettern eine solide Vorstellung: Nur ich verliere mal wieder mit viel zu wenig Zeit auf der Uhr, Zeno manövriert eine erstaunliche Eröffnung seinerseits ins Remis. Timon, Max und Nelson gewinnen sehr souverän. Ben hat ein Turmendspiel mit zwei Mehrbauern, aber spannenden Pattmotiven für seine Gegnerin. Als die Pattfalle schon fast ganz zugeschnappt hat, entwischt der König ihr zum Entsetzen so mancher Zuschauer doch noch. So endet der Kampf mit einem 4.5:1.5 für uns. Schließlich sorgt der Live-Ergebnisdienst für Klarheit: Essen-Werden hat Münster besiegt, wodurch Münster in der Tabelle hinter uns rutscht. Klassenerhalt! Doch wenn man so will, kommt das Sahnehäubchen noch danach. Wir lassen sogar noch eine Mannschaft hinter uns – und das ist niemand Geringeres als der ewig überlegene Stadtrivale, vielfacher deutscher Vereinsmeister U20 und glücklicher Sieger vom direkten Duell im November: Die SG Porz! Auch wenn an der Stelle eigentlich eher Mitgefühl als Hohn angebracht ist: Wo es mit der DVM-Quali dann am Ende doch nicht geklappt hat, das kann uns keiner nehmen😉.
Schlusswort
Vielen Dank an alle, die an diesem Klassenerhalt beteiligt waren! Nelson, Zeno, Max, Timon, Ben, Mark, Kuba, Michael und Fynn! Für eure Punkte, eure Bereitschaft, nach Erkenschwick oder Münster zu fahren, eure Motivation – ob am Brett oder bei der gemeinsamen Coup-Runde beim Pizzaessen danach – und euren Einsatz. Nicht in jeder Mannschaft macht es unbedingt Spaß, die Kapitänsrolle zu übernehmen. In dieser hat es großen Spaß gemacht.
Auf viele weitere Jahre Jugendbundesliga! Das verflixte zweite Jahr ist vorüber, und der verbleibende Stamm der Mannschaft kann sich hoffentlich auf viele weitere spannende Saisons freuen. Zeno, Mark und ich müssen uns leider verabschieden, aber angesichts unserer Performance in dieser Saison dürfte das wohl gar nicht so allzu schwer wiegen 😉.
Und ich bleibe dabei: irgendwann, irgendwann wird dann auch der DVM-Traum noch wahr!
Von Johannes Theisen
Deutschland ist Weltmeister! Zumindest auf 64 Feldern
Juni, 2026 · By Luca Klemenz
Manchmal kommt es anders als geplant. Ursprünglich sollte sich die KKS-Weltmeisterschaft über zwei Freitage erstrecken. Doch wie so oft im Leben setzte sich am Ende die praktische Vernunft durch. Und so wurde das gesamte Turnier an einem einzigen Tag ausgetragen.
Ein langer Tag war es ohnehin.
Schon am Vormittag zeigte das Thermometer Werte, die man früher höchstens aus südlichen Urlaubsländern kannte. Jenseits der 30 Grad bewegte sich die Quecksilbersäule, und das wohlgemerkt im Juni. Früher, so möchte man meinen, hatte der Sommer noch Anstand und erschien schrittweise. Heute kommt er wie ein schlecht gelaunter D-Zug ohne Halt durch den Bahnhof gerauscht.
Während drinnen konzentriert Figuren über die Bretter geschoben wurden, entluden sich draußen immer wieder eindrucksvolle Gewitterfronten. Es blitzte, donnerte und prasselte, als wollten die Wettergötter persönlich ihren Kommentar zum Turniergeschehen abgeben. Im Vereinsheim jedoch wurde unbeirrt weitergespielt. Schachspieler gelten bekanntlich als wetterfest, solange das Dach dicht hält.
Zur Qualifikationsphase versammelten sich insgesamt 23 Teilnehmer beziehungsweise 23 Nationen, um die 16 Plätze für die K.-o.-Runde auszuspielen. Überraschungen blieben zunächst weitgehend aus.
Brasilien, vertreten durch FM Nelson Strehse, tanzte sich mit südamerikanischer Leichtigkeit durch die Vorrunde und sammelte beeindruckende 7,5 Punkte aus 9 Partien. Wie die berühmten Ballkünstler vom Zuckerhut schien auch seine Armee stets einen Zug mehr zu kennen als die Konkurrenz.
Deutschland, vertreten durch FM Oliver Stork, ließ ebenfalls früh erkennen, dass mit der schwarz-rot-goldenen Delegation zu rechnen sein würde. Zwar traf die deutsche Mannschaft leicht verspätet ein – eine Eigenschaft, die man eigentlich eher anderen Nationen zuschreibt –, doch mit 6,5 Punkten aus lediglich acht Partien wurde der zweite Platz souverän gesichert. Effizienz bleibt eben eine deutsche Kernkompetenz.
Ebenfalls sechs Punkte erreichten Kroatien mit Reinhard Bonnmann sowie Argentinien mit Osama Alsoliman. Die Argentinier spielten dabei temperamentvoll und kreativ, während die Kroaten wie gewohnt unangenehm zäh zu überwinden waren.
Auch die Elfenbeinküste unter Turnierorganisator Jasper Langner qualifizierte sich souverän für die Endrunde. Dazu kamen die Jugendvertreter Ben Ihle als Niederlande und Jakub Praszczalek als Portugal. Beide Nationen präsentierten sich frisch, dynamisch und mit erfreulich wenig Respekt vor großen Namen.
Weiter hinten sorgten Ägypten mit Tim Ihle sowie Kap Verde mit Michael Lucena für positive Überraschungen. Beide Länder befinden sich bekanntlich auch bei der echten Fußball-Weltmeisterschaft in bemerkenswerter Verfassung. Offenbar weht derzeit ein günstiger Wind über den afrikanischen Kontinent.
Weniger erfreulich verlief das Turnier für die Türkei, die abgeschlagen den vorletzten Rang belegte. Erstaunlicherweise erinnerte dies ein wenig an die jüngsten Ereignisse auf den tatsächlichen Fußballplätzen dieser Weltmeisterschaft.
Auch einige Geheimfavoriten mussten früh die Segel streichen. Norwegen schied aus, obwohl man dort seit Jahren von goldenen Generationen spricht. Österreich verabschiedete sich ebenfalls vorzeitig. Das wiederum dürfte den deutschen Beobachter traditionsgemäß nicht völlig unberührt gelassen haben.
Mit genau vier Punkten rettete sich schließlich Armin Taban als Saudi-Arabien auf den letzten Qualifikationsplatz. Die Nation passte hervorragend zu ihm, nachdem er erst kürzlich aus einem Urlaub im Wüstenreich zurückgekehrt war. Das Scheichgewand, welches zeitweise zur allgemeinen Erheiterung präsentiert wurde, verlieh der Delegation zusätzliche Authentizität.
Im Achtelfinale wartete allerdings sofort die denkbar schwierigste Aufgabe. Gegen Vorrundensieger Brasilien war für Saudi-Arabien nach einem klaren 0:2 Endstation.
Auch Deutschland ließ im Achtelfinale keine Zweifel aufkommen und besiegte die Schweiz von Lucas Bracher mit 2:0. Deutsche Gründlichkeit setzt sich eben oft schon in den frühen Runden durch.
Die übrigen Begegnungen verliefen deutlich knapper. Die Elfenbeinküste musste gegen Uruguay von Arnd Goldenstein bis ins Armageddon gehen. Auch Daniel Tupac, der die Farben Kolumbiens vertrat, rang Schottland erst nach dramatischem Verlauf nieder. Und Argentinien benötigte ebenfalls alle Reserven, um das stark aufspielende Ägypten von Tim Ihle aus dem Wettbewerb zu nehmen.
Mit fortschreitendem Turnier verdichtete sich jedoch der Eindruck, dass sich die beiden großen Favoriten tatsächlich bis ganz nach vorne durchspielen würden.
Und so kam es.
Brasilien marschierte weiter mit jener Mischung aus Eleganz und Selbstverständlichkeit, die man von südamerikanischen Großmächten erwartet. Im Halbfinale wartete das traditionsreiche Duell gegen Argentinien. Ein echtes Nachbarschaftsderby voller Emotionen. Die Argentinier kämpften leidenschaftlich, gerieten mehrfach gefährlich vor die brasilianischen Linien und machten dem Favoriten das Leben schwer. Letztlich setzte sich Brasilien jedoch denkbar knapp durch, nach einem 1:1 in der „regulären Spielzeit“ und einem knappen Schwarzremis im Armageddon.
Auf der anderen Seite des Turnierbaums fegte Deutschland Kroatien mit 2:0 vom Brett. Eine Vorstellung von beeindruckender Stabilität, bei der kaum ein Zweifel am Finaleinzug aufkam.
Und dann war es soweit.
Deutschland gegen Brasilien.
Ein Finale, das selbst auf dem Fußballrasen Weltmeisterschaftsgeschichte geschrieben hätte.
Hier traf deutsche Präzision auf brasilianische Kreativität. Ordnung auf Improvisation. Gründlichkeit auf Spielfreude. Zwei Schachkulturen, zwei Kontinente, zwei Weltanschauungen.
Am Ende setzte sich Deutschland durch.
Der WM-Titel blieb im eigenen Land.
Oliver Stork besiegte Nelson Strehse und führte Deutschland zur Weltmeisterschaft auf 64 Feldern. Anschließend stemmte er den begehrten WM-Pokal in die Höhe – ganz so, wie einst Philipp Lahm im Sommer 2014 den goldenen Pokal über seinem Kopf präsentierte.
Und während draußen erneut der Donner über die Landschaft rollte und die letzten Regenwolken abzogen, stand der Weltmeister bereits fest.
Deutschland ist Weltmeister.
Zumindest bis zum nächsten Jahr.
Und das ist ja schließlich auch schon etwas.
Die große Tipperei hat begonnen
Juni, 2026 · By Luca Klemenz
Seit gestern nun auch die zweite große Begleiterscheinung der Fußball-Weltmeisterschaft offiziell ihren Betrieb aufgenommen hat, herrscht im Umfeld des KKS nicht nur rege Schach- und Fußballbeobachtung, sondern auch eine bemerkenswerte Form der Zukunftsdeuterei. Die Rede ist selbstverständlich vom WM-Tippspiel.
Nun muss ich gleich vorwegschicken, dass ich diesen modernen Vorhersageapparaturen mit einer gewissen Zurückhaltung begegne. Früher hat man Fußball geschaut, sich über ein Tor gefreut oder über einen Schiedsrichter geärgert und damit war die Angelegenheit weitgehend erledigt. Heute hingegen wird vor jedem Spieltag auf allerlei Internetplattformen herumgetippt, gerechnet, prognostiziert und spekuliert. Manchmal erinnert mich das an jene Herren auf Pferderennbahnen, die mit zerknitterten Zetteln in der Hand geheimnisvolle Zahlenkombinationen austauschen.
Dennoch erfreut sich die Tipperei beim KKS weiterhin wachsender Beliebtheit. Insgesamt haben sich bemerkenswerte 23 Vereinsmitglieder in das Abenteuer gestürzt. Davon beteiligen sich sogar 18 Personen an der geldlichen Variante der Angelegenheit. Jeder entrichtete einen Einsatz von 10 Euro, sodass gemeinsam mit einem besonders edlen Doppelzahler ein stattlicher Betrag von 190 Euro im Lostopf ruht.
190 Euro!
Eine Summe, bei der man früher einen ordentlichen Gebrauchtwagen, drei Sonntagsanzüge oder zumindest eine sehr respektable Modelleisenbahn hätte erwerben können.
Damit wurde die Beteiligung der Europameisterschaft 2024 sogar noch übertroffen. Damals waren 19 Tipper am Werk und der finanzielle Umfang bewegte sich noch in etwas bescheideneren Regionen. Die Entwicklung zeigt eindeutig: Das Vertrauen in die eigene Fußballweisheit wächst offenbar schneller als die Trefferquote.
Am Ende dürfen allerdings lediglich die ersten drei Platzierungen an die Schatztruhe herantreten. Für alle übrigen bleibt die Genugtuung, sich tapfer geirrt zu haben.
Besonders reizvoll wird die Angelegenheit durch die illustre Besetzung des Teilnehmerfeldes. Wieder mit dabei sind zahlreiche Veteranen und Großmeister der Vorhersagekunst. Namen wie „DrTippstein“, „Kölsches Orakel“ oder „El-Mama“ besitzen inzwischen beinahe legendären Klang. Man könnte meinen, man befinde sich nicht in einem Tippspiel, sondern bei einer Zusammenkunft international bekannter Wahrsager und Wetterfrösche.
Spannend wird außerdem die Frage, ob Luca „luca976“ Klemenz seinen Titel verteidigen kann. Titelverteidigungen gelten bekanntlich als schwieriges Unterfangen. Schon so mancher Champion wurde nach kurzer Zeit wieder vom Thron geschubst wie ein unvorsichtiger König im Endspiel.
Andererseits lauert mit Oliver „Sensei_Stork“ Stork ein Mann, dessen strategische Fähigkeiten am Schachbrett weithin bekannt sind. Ob sich diese Eigenschaften auch auf die Vorhersage von Fußballergebnissen übertragen lassen, wird sich zeigen. Zwischen einem korrekt berechneten Turmendspiel und einem 2:0 nach drei Platzverweisen liegt bekanntlich ein gewisser Unterschied.
Apropos Platzverweise.
Das gestrige Eröffnungsspiel hat mich in einer Weise überrascht, die ich so nicht erwartet hatte. Tore fielen beinahe in verschwenderischer Anzahl. Ständig zappelte das Netz. Kaum hatte man sich einen neuen Schluck Getränk eingeschenkt, stand schon wieder jemand jubelnd in einer Menschentraube.
Und dann diese roten Karten!
Früher genügte ein kräftiger Rempler und man schüttelte sich kurz die Hand. Gestern hingegen schien der Schiedsrichter die roten Papprechtecke beinahe im Akkord zu verteilen. Zeitweise entstand der Eindruck, als wolle er das Spielfeld schrittweise leer räumen. Das Publikum bekam jedenfalls einiges geboten, und selbst ein gelegentlicher Fußballbeobachter wie ich musste anerkennen, dass diese Begegnung einen durchaus unterhaltsamen Charakter besaß.
Während auf dem Rasen also bereits munter getroffen, gefoult und vom Platz gestellt wird, läuft auch das KKS-Tippspiel auf Hochtouren.
Und nach lediglich einem Turniertag sowie zwei absolvierten Begegnungen gibt es bereits einen ersten Mann an der Spitze der Vorhersagetabelle.
Johannes „joko5“ Theisen führt mit makellosen 8 Punkten das Klassement an.
Acht Punkte nach zwei Spielen!
Eine Bilanz, die beinahe verdächtig gut aussieht und vermutlich bereits erste Gerüchte über geheime Fußballkenntnisse hervorrufen dürfte.
Doch das Turnier ist noch jung. Zahlreiche Partien liegen vor uns. Favoriten werden stolpern, Außenseiter überraschen und mancher scheinbar sichere Tipp wird sich als sportliche Fehleinschätzung von bemerkenswerter Größenordnung herausstellen.
Der Vorhersagezirkus ist eröffnet.
Möge das beste Orakel gewinnen.
WM-Turnier 2026 – Wenn das Schachbrett zur Weltbühne wird
Juni, 2026 · By Luca Klemenz
Der Sommer der großen Fußballfestlichkeiten steht nunmehr vor der Türschwelle und wirft bereits seine langen Schattenstreifen über Feld, Flur und Vereinsgaststätte. Überall auf dem Erdenrund reden die Leute von Stadions, Fähnchenwedlern und diesen internationalen Balltretereien, bei denen elf Mann einer Lederkugel hinterherjagen. Während also die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 ihre Rasenmanöver entfaltet, wird gleichzeitig auf 64 quadratischen Feldern um Ehre, Ruhm und weltmeisterliche Würden gerungen. Willkommen beim WM-Turnier 2026. An zwei hintereinanderliegenden Freitagen verwandelt sich das KKS-Vereinsheim in eine Art Völkerarena von schachlicher Beschaffenheit. Die Schachuhren mutieren zu Anzeigetafeln, die Figuren übernehmen staatsrepräsentative Aufgaben und jedes Brett wird zu einer eigenen kleinen Weltbühne voller Spannung, Grübelei und gelegentlicher Verzweiflungsfalten. Denn wenn man die Sache einmal nüchtern durch die Lesebrille betrachtet, haben Schach und Fußball erstaunliche Verwandtschaftserscheinungen. Im Fußball – soweit ich das überblicke – gewinnt meistens die Mannschaft, die den Ball zur rechten Zeit an den rechten Ort expediert. Da gibt es überraschende Querpassierungen, strategische Umstellungen und allerlei Rasengenialitäten. Im Schach verhält es sich ganz ähnlich. Auch hier werden Gebietsansprüche geltend gemacht, Vorstöße organisiert, Verteidigungswälle errichtet und günstige Gelegenheiten mit bemerkenswerter Kaltblütigkeit eingesammelt. Der König steht dabei häufig unter einem Druckzustand, wie ihn vermutlich ein Torwart in der Nachspielminute verspürt, wenn wieder einer dieser gefährlichen Eckbälle hereinsegelt. Springer und Läufer wiederum galoppieren über das Brett wie ehrgeizige Angriffsleute auf der Jagd nach dem entscheidenden Einschussereignis. Und wie bei einer ordentlichen Weltmeisterschaft beginnt die Angelegenheit selbstverständlich mit einer Vorrundenveranstaltung. Zunächst treten sämtliche Teilnehmer in einer umfangreichen Punktesammelphase gegeneinander an. Runde um Runde wird um jeden halben und ganzen Zähler gerungen. Jede Sekunde auf der Uhr besitzt dabei beinahe staatsrechtliche Bedeutung. Gespielt wird Blitzschach mit 5 Minuten Bedenkzeit sowie einem Zuschlag von 2 Sekunden pro Zug – ein Format, das schnelle Finger, belastbare Nerven und eine gewisse Leidensfähigkeit voraussetzt. Doch nicht jeder übersteht den ersten Wetterumschwung. Nach Abschluss der Vorrunde qualifizieren sich die 32 erfolgreichsten Schachathleten für die Ausscheidungsrunde. Von diesem Zeitpunkt an gibt es kein gemütliches Zurücklehnen mehr. Jeder Fehlgriff kann zum sofortigen Heimweg führen, während jeder Sieg den Weg ein Stück weiter Richtung Gipfelstation öffnet. Sechzehntelfinale. Achtelfinale. Viertelfinale. Halbfinale. Finale.
Der Weg zum Weltmeister gleicht einer Besteigung des Großglockners bei Nebel, Gegenwind und unzureichender Verpflegung. Nur wenige gelangen weit hinauf, und ganz oben bleibt am Ende kaum Platz. Oder vielmehr: erstaunlicherweise gleich für vier. Denn diese Weltmeisterschaft geizt nicht mit Auszeichnungen. Insgesamt werden vier WM-Pokale vergeben. Vier Trophäen von glänzender Beschaffenheit. Vier Geschichten. Vier Ruhmeskapitel. Vier Gelegenheiten, sich dauerhaft in die Annalen des Vereinslebens einzutragen. Doch die eigentliche Besonderheit dieser Veranstaltung ist ein weiterer Umstand von beinahe orakelhafter Natur. Das WM-Turnier 2026 dient gleichzeitig als prophetische Vorhersagemaschine für die Fußball-Weltmeisterschaft. Jeder Teilnehmer erhält entsprechend seiner Setzlistenposition nach DWZ ein Land zugeteilt, orientiert an der FIFA-Weltrangliste und anderen internationalen Fußballtabellaritäten. Die hochgesetzten Spieler vertreten die großen Fußballmächte, während andere Nationen von mutigen Außenseitergestalten oder heimlichen Überraschungskandidaten repräsentiert werden. Plötzlich sitzt da nicht mehr bloß ein Schachspieler. Plötzlich sitzt dort Brasilien. Oder Argentinien. Oder Deutschland. Oder Spanien. Oder irgendein anderes Land, dessen Nationalelf regelmäßig Anlass zu Diskussionen in Sportsendungen liefert. Jeder Punkt wird zum Weltmeisterschaftspunkt für sein Land. Jeder Sieg lässt die Hoffnungen ganzer Völkergemeinschaften anschwellen. Jede Überraschung erzeugt Gesprächsstoff von beinahe boulevardesker Wucht. Wer übersteht die Vorrunde? Welche Nation gerät frühzeitig ins Straucheln? Wer entwickelt sich zum Geheimfavoriten mit verborgenen Reserven? Und welches Land darf am Ende den Pokal emporheben und dabei vermutlich sehr zufrieden aussehen? An zwei Freitagen werden wir Antworten auf diese weltbewegenden Fragen erhalten. Die Bretter sind geschniegelt. Die Uhren befinden sich in Bereitschaft. Die Nationen stehen in den Startlöchern. Die Weltmeisterschaft beginnt. Nicht auf dem Rasenstück. Sondern auf 64 Feldern.
FM Nelson Strehse!
Mai, 2026 · By Luca Klemenz
Mit seinem gestrigen Erfolg in der U20 hat Nelson Strehse den FM-Titel perfekt gemacht – ein Meilenstein, der beim KKS wohl niemanden wirklich überrascht. Zu konsequent verlief seine Entwicklung in den vergangenen Jahren, zu deutlich war schon lange zu sehen, dass hier ein außergewöhnlich starker Spieler heranwächst.
Zum KKS kam Nelson bereits mit acht Jahren. Schnell folgten die ersten Erfolge, unter anderem der Gewinn der Kölner U8-Meisterschaft. Früh zeigte sich dabei nicht nur sein Talent, sondern auch seine große Begeisterung für das Spiel. Schon als Kind durfte er internationale Erfahrungen sammeln, etwa bei der Jugend-Weltmeisterschaft im georgischen Batumi – für einen jungen Spieler natürlich ein besonderes Erlebnis.
Nach der Coronazeit nahm seine Entwicklung dann richtig Fahrt auf. Während viele Jugendliche zunächst Probleme hatten, wieder in den Turnierrhythmus zu finden, machte Nelson große spielerische Fortschritte. Seine Ergebnisse wurden konstanter, seine Spielweise reifer und seine Wertungszahlen stiegen schnell an.
Gefördert und begleitet wurde Nelson über all die Jahre natürlich vor allem von unserem Jugendwart Reinhard Bonnmann, der seine Entwicklung von Beginn an unterstützt hat. Einen zusätzlichen wichtigen Impuls bekam Nelsons Schach dann ab 2022, als Oliver Stork zum KKS kam und das Mittwochstraining aufbaute. Von diesem intensiven und anspruchsvollen Training hat Nelson enorm profitiert – daraus entwickelte sich über die Jahre ein sehr produktives Trainingsverhältnis.
Das große Durchbruchsjahr war schließlich 2024. Mit dem Gewinn der NRW-U16-Meisterschaft qualifizierte sich Nelson für die Deutsche Jugendmeisterschaft und spielte dort ein starkes Turnier gegen die nationale Spitze seines Jahrgangs. Gleichzeitig gelangen ihm auch im Erwachsenenbereich immer größere Erfolge – besonders der Sieg beim Krefelder Weihnachtsopen zeigte, wie stabil sein Niveau inzwischen geworden war.
Im Januar 2025 schien der FM-Titel bereits greifbar nah. Doch dann kam die verpasste Chance im Turmendspiel gegen Sonnenschein, die den entscheidenden letzten Schritt zunächst noch verhinderte. Danach folgte vielleicht keine spektakuläre Phase, aber eine wichtige: weiter trainieren, weiter Turniere spielen, weiter an kleinen Dingen arbeiten.
Parallel dazu etablierte sich Nelson endgültig in der ersten Mannschaft des KKS. Inzwischen spielt er dort an Brett 3 und gehört trotz seines jungen Alters längst zu den Leistungsträgern des Teams.
Dass dabei immer wieder besondere Leistungen möglich sind, zeigte auch sein Sieg beim diesjährigen Kölner Elo-Januarblitzturnier mit unglaublichen 17 Punkten aus 17 Partien.
Nun ist der Titel endlich da – gerade einmal eine Woche nach seinem 18. Geburtstag. Wer Nelsons Weg verfolgt hat, weiß: Dieser FM-Titel ist das Ergebnis jahrelanger Arbeit und deshalb absolut verdient.
Ersatzbusse, Endspiele und eiskalte Schneebälle – Nachbericht Solinger Karnevalsopen 2026
Februar, 2026 · By Luca Klemenz
Das Solinger Karnevalsopen ist jedes Jahr eines der ersten schachlichen Highlights – und auch 2026 machte es diesem Ruf alle Ehre. Mit rund 75 Teilnehmern ist es zwar eher ein kleineres Turnier, doch die Qualität des Feldes hatte es in sich. Neben zahlreichen starken Regionalspielern waren diesmal wieder ein IM und drei FMs am Start. Turnierfavorit war der Vorjahressieger IM Tobias Jugelt, während u.a. mit Merlin Mänken und Yusuf Amini auch zwei der stärksten Jugendspieler der Region mitmischten.
Aus dem KKS-Umfeld waren insgesamt sechs Spieler vertreten. Neben Juliano Suzuki standen vor allem fünf Namen im Fokus: Jasper Langner und Luca Klemenz, die bereits vor drei Jahren Solinger Luft geschnuppert hatten, dazu Philipp Ye, Fynn Erkelenz und Jakub „Kuba“ Praszczalek.
Das Turnier selbst ist längst ikonisch. Viele vom KKS haben hier schon gespielt – und wissen, was sie erwartet. Der obere Spielraum ist berüchtigt für stickige Luft, selbst wenn draußen – wie in diesem eiskalten Winter – Minusgrade herrschen. Hinauf gelangt man über eine steile, knarzige Treppe, die schon beim Hochgehen klarmacht: Hier wird gearbeitet. Unten gibt es einen etwas großzügigeren Spielraum und natürlich den legendären Analyseraum – laut, lebendig, voller Varianten und Diskussionen. Wer den Geräuschpegel im KKS gewohnt ist, fühlt sich hier fast heimisch. Insgesamt war das Turnier aber wie immer hervorragend organisiert. Besonders einer der Turnierleiter, Marius Fränzel, sorgte mit der nötigen Entschlossenheit für Ruhe und Ordnung, wenn es mal unruhig wurde.
Eine zusätzliche Herausforderung war in diesem Jahr die Anreise. Die Strecke Köln–Solingen war komplett gesperrt, sodass wir Bekanntschaft mit diversen Ersatzverbindungen (RE7X, RE7, RB48) und Bussen machten. Gerade am ersten Spieltag war das heikel: Die erste Runde beginnt traditionell spät und geht oft bis tief in die Nacht. Selbst bei regulärem Zugverkehr ist die Heimreise schwierig – Jasper und Luca können davon aus ihrer ersten Teilnahme ein Lied singen. Diesmal war es nicht einfacher.
Die Ergebnisse und der Turnierverlauf
Fynn Erkelenz
Fynn kam am Ende auf solide 2,5 aus 5. Nicht jede Partie war schachlich makellos, aber er zeigte großen Kampfgeist – und ab und zu war Fortuna auf seiner Seite. In Runde 3 gewann er ein eher remisliches Turmendspiel durch eine taktische Wendung, die ihm den gegnerischen Turm einbrachte. Sein sehr junger Gegner war danach so enttäuscht, dass sogar Tränen flossen. Es blieb Fynns einziger Sieg, doch erwähnenswert ist vor allem seine (einzige) Niederlage in Runde 1 gegen den späteren Turniersieger FM Pawel Grabowski – eine Partie, in der Fynn lange sehr stark dagegenhielt und durchaus Eindruck hinterließ.
Jakub „Kuba“ Praszczalek
Kuba spielte ein wechselhaftes, aber kämpferisches Turnier. Gleich in Runde 1 setzte er ein Zeichen, als er gegen FM Klaus Schmitzer ein theoretisch klares Remis-Turmendspiel (3 gegen 2) frech auf Gewinn spielte. Am Ende wurde es remis, doch das Selbstbewusstsein war da. Nach eher glücklichen 1,5 Punkten am zweiten Tag kam es zur Neuauflage des Duells mit Yusuf Amini, das es erst zwei Monate zuvor in Krefeld gegeben hatte. Mit Schwarz spielte Kuba diesmal deutlich stärker und hatte sogar Gewinnchancen. Leider stellte er noch ein – und wie gewohnt wurde es emotional, sowohl bei dieser Niederlage als auch beim anschließenden Sieg in der nächsten Runde. Unterm Strich sprang dennoch ein deutliches Elo-Plus heraus.
Luca Klemenz
Für Luca fühlte sich das Turnier stellenweise wie eine Zeitreise ins Jahr 2023 an. In Runde 1 ein unnötiges Remis gegen einen nominell schwächeren Gegner – erneut konnte eine Gewinnstellung nicht verwertet werden. Danach folgte ein Sieg gegen einen talentierten Nachwuchsspieler, ehe in Runde 3 die große Enttäuschung kam: Gegen das nächste Talent, Doruk Irtes, verspielte Luca zunächst eine gute Stellung und behandelte das Endspiel anschließend äußerst unglücklich. Mit viel Glück rettete er noch ein Remis. Nach einem weiteren, teils glücklichen Sieg endete das Turnier mit einem Theorieremis gegen Philipp Ye.
Philipp Ye
Philipp spielte insgesamt ein starkes Turnier. Nach einem souveränen Auftaktsieg traf er auf Yusuf Amini – und sah hier leider kein Land. Doch es sollte seine letzte Enttäuschung bleiben. Es folgte ein technisch sauberer Sieg gegen eines der größten weiblichen Jugendtalente Deutschlands, Daria Shynkar, bei dem Philipp im Doppelturmendspiel seine Technik unter Beweis stellte. Am letzten Tag setzte er nicht nur schachlich, sondern auch modisch ein Ausrufezeichen – im Ganzkörper-Pandakostüm. In Runde 4 gelang ihm ein sehenswerter Angriffssieg mit Schwarz, ehe er das Turnier mit dem erwähnten Remis gegen Luca abschloss. Platz 11, ein Ratingpreis und endlich ein Platz auf dem begehrten Siegerfoto – ein rundum gelungenes Wochenende.
Jasper Langner
Jasper startete ambitioniert und eröffnete das Turnier mit einem souveränen Schwarzsieg im Ragozin-Stil. In Runde 2 dann ein kleiner Dämpfer: Tom Niklas Arnz wurde eigentlich sauber überspielt, doch im entscheidenden Moment unterlief Jasper in klarer Gewinnstellung ein schwacher Zug – und er bot sofort Remis an. In Runde 3 zeigte er großen Kampfgeist: Seine Partie war die letzte im Saal, und er gewann ein ungleichfarbiges Läuferendspiel nach langem Druckspiel.
Vor der Schlüsselrunde gegen Klaus Schmitzer stellte sich die Frage nach der richtigen Antwort auf 1.e4. Inspiriert von einem sizilianischen Schaffner in der Solinger S-Bahn entschied sich Jasper mutig für Sizilianisch – wurde dann aber mit 1.d4 überrascht. Dennoch erreichte er ein starkes Remis und stand phasenweise sogar etwas besser. In der Schlussrunde bekam er schließlich „seinen“ Sizilianer – wenn auch mit Weiß – gegen den talentierten Kian Koch und gewann souverän. 4 aus 5 sind ein herausragendes Ergebnis, punktgleich mit Merlin Mänken auf Platz 3. Auch Jasper erhielt einen Ratingpreis und schaffte es – wie schon 2023 – erneut aufs Solinger Siegerfoto.
Legendäre Randgeschichten
Natürlich lebt das Karnevalsopen nicht nur von den Partien.
Im Ersatzbus wurde eine ominöse „Mische“ entdeckt – Herkunft und genaue Zusammensetzung blieben unklar. Man entschied sich weise dagegen, sie zu probieren, was vermutlich die richtige Entscheidung war.
Ein gemeinsames Restaurantessen in Solingen entwickelte sich zu einem kleinen Diskussionsmarathon. Zwischen hitzigen Debatten über Eröffnungen, Turnierorganisation, Gott und die Welt ging es plötzlich um die letzte Portion Bolognese, die fast diplomatische Verhandlungen erforderte.
Mitten in einer Runde fiel einem Spieler plötzlich ein Wandbild von der Wand – ohne Fremdeinwirkung, einfach so. Der Knall sorgte für allgemeines Zusammenzucken, der Spieler selbst nahm es mit Humor.
Und als wäre das alles nicht genug, setzte auf der Rückreise heftiger Schneefall ein. Was zunächst nach logistischer Herausforderung aussah, endete in spontanen Schneeballschlachten zwischen den Teilnehmern. Am Ende kam man mit durchnässten Schuhen, kalten Fingern – aber einem breiten Grinsen zuhause an.
Insgesamt war das Solinger Karnevalsopen 2026 wieder einmal genau das, was es sein soll: sportlich anspruchsvoll, leicht chaotisch, voller Geschichten – und einfach legendär.
Ratings, Spaß und eine unglaubliche Performance – Kölner ELO-Januarblitz 2026
Januar, 2026 · By Johannes Theisen
Ratings – der deutsche Schachbund bezeichnet sie als „das Salz zum Schachspiel“. Während sie eine Art magische Anziehungskraft entfalten, ist Blitzschach wohl der Inbegriff des Schach-Spaßfaktors. Beide Aspekte verknüpfen – das war das Ziel des Kölner ELO-Januarblitz. Und tatsächlich war die Nachfrage nach dem Turnier erfreulich hoch, sodass wir an den Rand der räumlichen Kapazitätsgrenze gehen konnten.
38 Teilnehmerinnen und Teilnehmer trafen am Sonntag im KKS ein, um in 17 Runden Blitzschach (3+2) ihre Kräfte zu messen. Neben 17 KKS-Mitgliedern durften wir 21 Gäste aus Vereinen im Umland begrüßen. So waren sowohl unser vorderer als auch der hintere Raum nahezu voll besetzt. Für ein kleines Buffet an Speisen und Getränken sorgte dankenswerterweise wieder einmal Reinhard Bonnmann alias Bonni.
Ein Blick auf das Teilnehmerfeld ließ auf einen spannenden und umkämpften Turnierverlauf hoffen. Nelson Strehse führte das Teilnehmerfeld mit 70 ELO-Punkten Vorsprung zwar durchaus klar an. Dennoch konnte man eigentlich mit einem harten Kampf auch um Platz 1 rechnen. Was in den viereinhalb Turnierstunden dann tatsächlich geschach, war jedenfalls nicht zu erwarten: Nelson sollte das erste Brett während des ganzen Turniers nicht mehr verlassen. Es folgte ein Sieg auf den nächsten. Selbst schlechte Stellungen wurden mit präzisem Spiel auch unter Zeitdruck noch zurecht gebogen. Am Ende stand eine unglaubliche 100 %-Performance von 17 Punkten aus 17 Partien. Glaubt man Chessresults, dann gibt das ein ELO-Plus von 139 Punkten! Herzlichen Glückwunsch!
Alle Ergebnisse finden sich hier (auf Chessresults). Danke fürs Mitspielen!

Das Preisträgerfoto von links nach rechts: Fynn Erkelenz (U1750), Levi Filippov (U1500), David Ray Sarmiento (2. Platz), Nelson Strehse (1. Platz), Rafael Sabirov (3. Platz), Jakub Praszczalek (1. Jugendpreis), Timon Lampe (2. Jugendpreis), Berkin Sekerci (U2000). Schon gefahren war Marc Richters (U1850).
Nachbericht zur DSAM
Dezember, 2025 · By Luca Klemenz
Die Deutsche Schach-Amateurmeisterschaft machte erneut Station im Maritim Hotel in Bonn – und wie schon in den vergangenen Jahren war das Turnier sehr gut besucht. Locker über 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fanden sich ein, um an einem intensiven Schachwochenende teilzunehmen.
Die Organisation ließ kaum Wünsche offen: Der Spielsaal war ausreichend groß, auch wenn es im Laufe der Runden etwas stickig wurde – etwas, das sich bei so vielen Spielerinnen und Spielern wohl kaum ganz vermeiden lässt. Gespielt wurde wie gewohnt in sieben Gruppen von A bis G, wobei jeweils die ersten vier Bretter live per DGT übertragen wurden. Mehrere Schiedsrichter sorgten für einen reibungslosen Ablauf, und die Hotellobby bot mit ihren Sitzmöglichkeiten einen angenehmen Ort zum Analysieren, Zuschauen oder einfach zum Durchatmen zwischen den Partien.
Bereits am Donnerstag gab es mit dem DSAM-Blitzturnier ein stimmungsvolles Vorspiel. Rund 150 Teilnehmende gingen hier an den Start, darunter auch einige Spieler des KKS. Besonders erfolgreich war Luca Klemenz, der mit starken 6 aus 7 Punkten den 6. Platz belegte. Jakub Praszczalek folgte mit 5,5 Punkten auf Platz 10. Philipp Ye und Zeno Pfaar erzielten jeweils 4,5 Punkte und konnten sich – wie auch die Erstgenannten – über ein ordentliches Elo-Plus im Blitz freuen.
Auch im klassischen Turnier war der KKS mit zahlreichen Spielerinnen und Spielern vertreten. Bei der Vielzahl an Geschichten sollen zunächst die vier bestplatzierten KKS-Akteure hervorgehoben werden:
Gudrun Jakob
Gudrun sorgte in der G-Gruppe für eine echte Überraschung. Sie startete furios mit zwei Siegen, remisierte anschließend mehrfach und musste sich erst in Runde fünf geschlagen geben. Trotz dieser Niederlage war das Turnier für sie ein persönliches Erfolgserlebnis: Sie spielte an Livebrettern, begeisterte Zuschauer und Fans und zeigte phasenweise wirklich starkes und mutiges Schach. Ein Auftritt, der in Erinnerung bleibt.
Julian Stein
Julian Stein, noch nicht lange aktives KKS-Mitglied, aber sicher kein Schachanfänger, blieb in der stark besetzten C-Gruppe ungeschlagen. In einem Feld, in dem unter anderem auch Timon Lampe lange vorne mitmischte, erreichte Julian 3,5 Punkte. Das reichte am Ende „nur“ zu Platz 8 – denkbar knapp an den Preisrängen vorbei, da nur die ersten sieben ausgezeichnet wurden. Ganz leer ging er dennoch nicht aus: Für seinen richtigen Tipp auf den späteren Gruppensieger Hendrik Seifert erhielt er einen Sonderpreis.
Ben Ihle
Ben Ihle entwickelt sich langsam, aber sicher zu einer echten DSAM-Legende. Nachdem er im vergangenen Jahr in der E-Gruppe Zweiter geworden war, wagte er diesmal den Sprung in die D-Gruppe. Der Turnierstart verlief zunächst enttäuschend: Ein Remis gegen Franz-Josef Bauchmüller, nachdem Ben zwischenzeitlich klar auf Gewinn, später aber auch auf Verlust stand. Danach jedoch ließ er nichts mehr anbrennen und gewann alle restlichen Partien. In der Schlussrunde beeindruckte er mit einem instruktiven …Txf3-Motiv. Durch einen starken Endspurt – und wie durch ein kleines Wunder auch viele aufgeholte Buchholzpunkte – sicherte er sich noch Platz 2. Belohnt wurde er, wie schon 2024, mit einem Chessemy-Gutschein über 250 Euro.
Apoorv Aditya
Für Apoorv war es im Grunde das erste größere Turnier überhaupt. Er spielte wie Gudrun ebenfalls in der G-Gruppe, die bekannt ist für viele unterbewertete Spieler. Davon ließ er sich jedoch nicht beeindrucken und zeigte reifes, ruhiges und erstaunlich fehlerfreies Schach. Mit 5 aus 5 Punkten setzte er sich durch, hatte im Vergleich zu punktgleichen Konkurrenten die bessere Buchholz und gewann seine Gruppe souverän. Seine aktuelle DWZ von 917 wird sich nach diesem Turnier deutlich nach oben bewegen. Als Gruppensieger erhielt er 250 Euro Preisgeld sowie – genau wie Ben Ihle – Trophäe und Urkunde.
Diese vier Spieler trugen maßgeblich dazu bei, dass der KKS in der Mannschaftswertung einen starken zweiten Platz belegte. Als Preis gab es eine Urkunde sowie drei „Tigersprung“-Bücher. In dieser Wertung war der DSK allerdings nicht zu schlagen.
Neben all dem gab es noch einige weitere schöne und teils epische Geschichten:
Luca Klemenz
In Runde 3 traf Luca auf den Brühler Marius Gramb. Die Partie mündete tatsächlich in ein Endspiel mit Springer und Läufer gegen den König. Da dieses Mattmotiv im KKS regelmäßig trainiert wird, konnte Luca seine Technik unter Beweis stellen und das seltene Endspiel vor den Augen zahlreicher Zuschauer sauber zum Sieg führen – ein echter Hingucker.
Jürgen Nielsen
Bei einer Verlosung unter allen Teilnehmenden wurde ein stattlicher Preis vergeben: ein rund 800 Seiten starker Schach-„Schinken“ im Wert von etwa 100 Euro, der sich mit Schach im Kontext von Mathematik, Geschichte und vielem mehr beschäftigt. Als hätte der Zufall Regie geführt, gewann ausgerechnet der Uni-Professor Jürgen Nielsen dieses Buch. Lesestoff für lange Abende ist also reichlich vorhanden.
Alles in allem war die DSAM in Bonn wieder ein rundum gelungenes Turnier – sportlich anspruchsvoll, gut organisiert und voller kleiner und großer Geschichten, die das Schachleben so besonders machen.





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