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Zweite triumphiert in Kamp-Lintfort. Klassenerhalt durch Kantersieg!

Juni, 2022 · By Jasper Langner

Der heutige Sonntag sollte der Tag der Entscheidung werden. Als mir Luca um kurz nach 9 schrieb, dass er unten vor der Tür wartet, war mir sofort klar, dass uns nicht nur eine lange Autofahrt gen Norden in das beschauliche Kamp-Lintfort bevorstand, sondern dass es nicht weniger als um den Klassenerhalt ging. Die Vorzeichen so eindeutig wie nie. Vor dem letzten Spieltag rangierten wir mit 7 Mannschaftspunkten auf Rang 7, hinter Düsseldorf-Süd (8 MP) und Turm Kamp-Lintfort (9 MP), aber mit 2 Brettpunkten vor Turm Kleve, die den ersten Abstiegsplatz belegten. Die Ausganglage war also klar: Mit einem Sieg gegen Turm Kamp-Lintfort würden wir dank Brettpunkten bzw. direktem Vergleich noch an diesen vorbeiziehen und damit sicher die Klasse halten. Wenn wir nicht gewinnen, hätten wir den Klassenerhalt aber nicht mehr in der eigenen Hand und müssten uns auf Kleves Gegner Lasker SK II verlassen. Aber auch Düsseldorf-Süd und unsere Gegner aus Kamp-Lintfort waren noch nicht sicher gerettet. Der Abstiegskampf sollte noch zu einem echten Krimi werden…

Mit vier Autos (eins davon aus Belgien) reisten wir zu unseren Gegnern. Boris, Jörg, ich (Jasper), Luca, Arnd, Joachim, Mile und Neuzugang Bertrand, der eine Woche zuvor mit der Dritten aufstieg und dort einen starken Eindruck (insgesamt 3/3 Punkte) hinterließ, komplettierte unsere Startaufstellung. Durchaus schlagkräftig, aber leicht ersatzgeschwächt begrüßten uns unsere Gegner vor Containerbauten an ihrem Vereinsheim…

Den Anfang machte ich. In den Theoriegewässern der Aljechin-Verteidigung kannte sowohl ich als auch mein Gegner sich lange aus. Beim Rundgang und der Besichtigung der anderen Bretter und der Kenntnis, dass wir vor allem hinten auf dem Papier ein Übergewicht hatten, wiederholte ich schon schnell die Züge zum 0.5-0.5. Danach passierte erstmal länger nichts Entscheidendes. Luca kam gut aus der Eröffnung. Sein Gegner verlor schon früh das Rochaderecht mit Weiß gegen die Halbslawische Verteidigung und musste sich aus einer unangenehmen Stellung manövrieren. Boris‘ Figuren standen etwas unkoordiniert. Zumindest konnte er vorübergehend einen Mehrbauern verzeichnen. Jörg stand äußerst solide und hatte die bessere Bauernstruktur. Arnd hatte Kompensation für einen Minusbauern, aufgrund der schlechten Bauernstruktur des Gegners und leichter Initiative am Königsflügel. Mit gewaltigem Zeitnachteil schlug er mutig ein Remisangebot aus. Joachim hatte sich mal wieder an einem exotischen Nilpferd-Aufbau probiert. Seine Stellung gefiel mir, da er die schwarzen Felder kontrollierte und zu Spiel gegen den lang rochieren Weißen König kam. Bei Mile nichts Neues. Er steckte eine Qualität ins Geschäft, aber eher notgedrungen. Die Kompensation schien zunächst nicht auszureichen, aber da es Mile war, musste man sich keine allzu großen Sorgen machen. Bertrand hatte bereits gefährliche Initiative auf die geschwächte h3-g4 Königsstellung entwickelt.

Wenige Momente später kam es auch bei Boris zu einer Punkteteilung. Sein talentierter Gegner sah keine Wege mehr, die etwas dysfunktionale Figurenstellung auszunutzen. Boris hielt damit einen wichtigen halben Punkt fest. Dann kam es Schlag auf Schlag. Gerade als der Gegner von Joachim herausgekommen schien und Joachim jetzt Kompensation für einen Minusbauern nachweisen müsste, übersah sein Gegner einen tödlichen Zwischenabtausch der Dame, der zu einem Doppelangriff und Turmgewinn führte. Sofortige Aufgabe zum 2-1 für uns! Joachim krönte damit auch ganz persönlich seine Saison mit unglaublichen 6.5/7 Punkten! Nur ein paar Momente später zauberte Bertrand ein vorübergehendes Qualitätsopfer auf das Brett, das zu einem tödlichen Mattangriff mit dem Läuferpaar führte und das 3-1 bedeutete! Bertrand verbuchte damit seinen vierten vollen Punkt in Folge für den KKS. Den Verlauf bekam auch Luca mit, der seinen Vorteil nicht weiter maximieren konnte und daher Remis anbot. Der Gegner konnte nicht nein sagen. 3.5-1.5. Es sah sehr gut aus. In den verbleibenden 3 Partien mussten wir nur noch einen Punkt holen für den Sieg. Arnds Stellung hatte sich mittlerweile gebessert. Er hat den Bauern zurückgewonnen und drohte in ein überlegenes Endspiel mit Turm Läufer gegen Turm Springer abzuwickeln. Auch Jörg verbesserte Stück für Stück seine Stellung und nahm die Schwächen auf c4 und e4 mit einem Blockadespringer auf d6 ins Visier. Mile schüttelte wie aus dem Nichts wieder starke Initiative für die Qualität aus dem Ärmel. Der gegnerische König sah sich einem schweren Angriff ausgesetzt. Als Arnd nicht nur zum Rauchen vor die Tür kam, sondern uns mitteilte, dass er die Partie nach Turmtausch und unaufhaltbarem a-Bauern gewonnen hat, brauchten wir ein paar Momente um zu realisieren, dass dieses 4.5 schon den sicheren Klassenerhalt bedeutete! Und noch sicherer stand er fest, als Mile (mittlerweile in einem Endspiel angekommen) den h-Bauern unbeschwert vorpreschte bis zur Umwandlung. 5.5-1.5! Sehenswerte und äußerst überzeugende Technik zeigte zum Schluss auch noch Jörg, der blitzsauber und hochverdient ein positionelles Glanzstück zum Sieg führte. Der zwischenzeitlich unklare Mannschaftskampf formierte sich Stück für Stück in eine Demontage, die wir uns nicht Mal in Träumen so ausgemalt hätten. Die Zitterpartie ging dann plötzlich für unsere Gegner los. Auf der Rückfahrt trauten Boris, Luca und ich unseren Augen nicht, als wir auf unseren Smartphones die Zwischenstände aktualisierten. Kleve gewann tatsächlich sensationell 6-2 gegen Lasker und tütete damit sicher den Klassenerhalt ein, da sie durch unseren hohen Sieg einen halben (!) Brettpunkt Vorsprung auf Kamp-Lintfort hatten. Der Abschluss konnte dramatischer nicht sein. Bei einem Stand von 4-3 zwischen Porz und Düsseldorf-Süd musste Düsseldorf-Süd die letzte Partie gewinnen, um 4-4 zu spielen und sich damit vor Kamp-Lintfort zu schieben. Und das gelang ihnen tatsächlich noch! Welch dramatischer Wendepunkt. Kamp-Lintfort, die vor der Runde auf Platz 5 lagen und sich mit 2 Mannschaftspunkten Vorsprung schon in Sicherheit wogen, stiegen damit tatsächlich noch ab, was wiederum zeigt, dass man sich auf andere nicht verlassen sollte…

Mit diesem überzeugenden Auswärtssieg katapultieren wir uns am Saisonabschluss in das sichere Tabellenmittelfeld auf den fünften Platz. Mit drei Siegen in Folge stießen wir den Bock um und können so doch noch sehr positiv auf eine Saison zurückblicken, die uns alles abverlangte. Nach dem Fehlstart haben wir am Ende auf beeindruckende Weise noch die Kurve bekommen und sichern uns damit nächste Saison einen weiteren Startplatz in der NRW-Klasse.

„Aber muss man nicht oft unbedachtsam handeln, wenn man das Glück anreizen will, etwas für uns zu tun?“ (Lessing)

 

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