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Ford Open – Ein etwas später Nachbericht

Juli, 2022 · By Luca Klemenz

Nach einem coronabedingten Ausfall in den letzten beiden Jahren fand dieses Jahr von Ende April bis Anfang Juni endlich wieder das Kölner Kultturnier statt. Der KKS war mit einer großen Delegation dabei. Ich persönlich wollte nach einem katastrophalen Turnier an Ostern in Krefeld wieder an meine Leistungen bei der Vereinsmeisterschaft Anfang des Jahres anknüpfen. Das Teilnehmerfeld war nicht so stark besetzt wie üblich. Favoriten auf den Turniersieg waren die erfahrenen Cordts und Bonnmann, dahinter lungerten einige junge hungrige Spieler wie z.B. Hoffmann oder die „KKS-Achse“ Schwibbert, Langner und Ich.

 

In der 1. Runde bekam ich es gleich mit einer Schachlegende zu tun. Gegen Hans-Ferdinand Stuch (Godesberger SK) durfte ich bereits 2016 spielen, damals gab es eine unglückliche Niederlage. Diesmal konnte ich mich revanchieren und einen ungefährdeten Weißsieg einfahren.

r1bqr1k1/1p1nb1pp/p1p1p3/2PpNp2/3P4/2PBPP1P/P1Q3PB/R3R1K1 w – – 1 17

(17.e4! und Weiß bricht bald am Königsflügel durch.)

 

Die erste Enttäuschung gab es für mich dann schon in Runde 2. Gegen Martin Bigott gerieten meine Zentrumsbauern schon früh unter Druck. Den ersten Schlüsselmoment gab es im 15. Zug:

rnb1k2r/p5pp/1p1q1b2/3p4/3Pp3/1Q2P1P1/PP1N2BP/R1B2RK1 w kq – 0 15

(15.Sxe4? sieht interessant aus, funktioniert aber nicht. Nach …dxe4 Lxe4 Sc6 steht der Schwarze König relativ sicher und Weiß hat nicht genug für die Figur).

Wenig später konnte ich eine Qualität zurückgeben, um zu vereinfachen und stand auf Gewinn.

6k1/R2b2pp/1p3b2/8/1P1P4/4r1P1/1P5P/5RK1 b – – 0 24

(24…Lc6? verdirbt noch nichts, aber 24…Lh3! wäre viel stärker gewesen.  Später wurde der Weiße d-Freibauer zu stark und ich musste ins Remis einwilligen.)

 

Mein nächster Gegner war Eckart Janknecht mit einer respektablen Zahl von 1780 und ein Verfechter von Albins Gegengambit (wie ich in meiner Vorbereitung entdeckte). Die Eröffnung verlief dann unklarer, als es mir recht war und mein Gegner hatte eine gute Möglichkeit.

2kr1b1r/pp3ppp/6n1/1Np1n3/2P3b1/1N2P3/PP1B1PPP/R3KB1R b – – 4 12

(der letzte Zug 11.Ld2? war schon ein Fehler, da Schwarz die Möglichkeit 11…Sh4! hat mit der Idee …Sf3+ und Schwarz steht schon etwas besser. Stattdessen kam 11…a6? Sc3 Sh4 und hier hatte ich die Ressource 13.Sd5!, wonach der Td8 den Ld2 nicht mehr angreift und …Sf3 keine Figur gewinnt. Nach 13.Sd5 steht Weiß total auf Gewinn und ich hatte auch keine Probleme es zu verwerten).

 

Somit war ich nach 3 Runden mit 2,5 Punkten wieder im Soll und traf nun langsam auch auf stärkere Gegner. Allerdings war ich froh über die Auslosung: Gegen KKS-Legende Arnd Goldenstein habe ich bisher einen guten Score. In einem 4.e3-Nimzoinder wich er bereits im 6. Zug ab von seinem üblichem Repertoire und es entstand eine interesaante Stellung mit Weißem Läuferpaar und beiderseitigen Schwächen allerdings begann ich bald, schlecht zu spielen:

r3r1k1/pp1b1pp1/1q3n1p/3p4/1P1P3B/2PB1P2/6PP/R2Q1R1K b – – 1 17

(17…Te3 ?! Ta5! Tae8 ?! und hier kann Weiß ohne Bedenken den Bauern d5 gewinnen mit 19.Lxf6 nebst 20.Txd5.)

Weiß ging an dieser Möglichkeit vorbei und später entstand diese Stellung:

2r3k1/1p1b1pp1/pq3n1p/3p4/1P1P4/2PB1P2/3Q1BPP/2R4K w – – 7 26

(Schwarz steht minimal angenehmer, aber Weiß hat immerhin das Läuferpaar. Hier geschah 26.c4?!, wonach Weiß einen Isolani auf d4 bekommt und mein Springer ein schönes Feld auf d5. In Zeitnot konnte ich dann die gegnerischen Bauernschwächen ausnutzen.)

 

Anschließend wurde ich in Runde 5 mit dem Hammerlos „belohnt“: Turnierfavorit FM Ingo Cordts. Zwar hatte ich in unserem bisher einzigen Duell klar verloren, diesmal wollte ich aber mit Weiß etwas probieren. Früh wurde ich in der Eröffnung überrascht; mit Slawisch habe ich eher nicht gerechnet.

r4rk1/ppqnbpp1/2p1pnp1/8/2BP4/1QN1PPP1/PP1B3P/1K1R3R b – – 0 14

(14…b5! oder 14…a5! Und Schwarz generiert schnell einen Königsangriff. In der Partie folgte 14…e5?, was die Diagonale für den Lc4 öffnet.)

In der resultierenden Stellung bekam ich dann auch deutlichen positionellen Vorteil, den ich dann in einen Materialvorteil ummünzen konnte:

2qb2k1/5pp1/1np3p1/p2n4/Np4P1/1B2PP2/PPQ4P/1KB5 w – – 2 28

(28.Sxb6 gewinnt einen Bauern, da 28…Lxb6? An 29.Lxd5 scheitert und nach dem Partiezug 28…Sxb6 gewinnt Weiß nach 29.Dxg6 einen Bauern.

Ich konnte sogar noch einen zweiten Bauern gewinnen und eine totale Gewinnstellung erreichen, bevor sich dann meine taktischen Schwächen offenbarten.

5k2/4qp2/2Q2np1/2b5/1pp2PPP/4P3/PPB5/1KB5 w – – 3 40

(Fast alles gewinnt hier, ich spielte aber 40.h5??, wonach 40…Lxe3! Sofort ausgleicht. In der Partie kam 40…gxh5?? 41. gxh5 Lxe3 42. Dc8+ Se8 (Kg7 h6! Und hier kann Schwarz im Unterschied zu 40…Lxe3! Nicht 40…Kh7 spielen und wird stattdessen mattgesetzt) und hier hätte 43.h6! gewonnen, z.B. 43…Lxc1 h7!. Ich spielte aber 43.Dxc4? und nach 43…Lxc1 44.Kxc1 De3+ hat Schwarz wieder gute Remischancen und obwohl Weiß noch weiterspielen kann, wurde bald Remis vereinbart.)

 

Somit war ich weiter gut im Rennen. In Runde 6 wurde mir mit Reinhard Bonnmann eine weitere KKS-Legende zugelost, aber leider wurde er krank und konnte nicht spielen. Den kampflosen Punkt nahm ich natürlich gern mit in die Schlussrunde.

 

Vor Runde 7 malte ich mir dann gute Chancen auf den Turniersieg aus! Mit 5 Punkten lag ich punktgleich mit Ingo Cordts und meinem nächsten Gegner Klaus Arlt an der Spitze. Mit einem Sieg hätte ich also Platz 2 sicher mit der Möglichkeit auf mehr. Die Partie verlief zum Glück sehr gut und ich erreichte mit natürlichen Zügen schnell eine Gewinnstellung.

2rr2k1/1bqn1pp1/p3pn1p/1pb5/4P3/P1N4P/1P1BBPP1/RQ2NR1K b – – 4 17

(17…Lb6! Und Schwarz steht bereits auf Gewinn. Die Hauptdrohung ist …Sc5 mit den Ideen …Sb3, …Sxe4 und …Txd2.18.b4 geht nicht wegen …Ld4. Weiß spielte hier 18.f3 und nach 18…Sh5 gewinnt Schwarz schon Material. Die Partie dauerte dann auch nicht mehr lange).

Somit war Platz 2 sicher und ich schaute gespannt auf die Partie von FM Cordts, der nun mit Schwarz gewinnen musste, sollte es für ihn der Turniersieg sein. Es entstand dann auch schnell eine dynamische Stellung mit beiderseitigen Chancen, Weiß hatte Königsangriff und Schwarz dafür 2 Freibauern am Damenflügel. Nach langem Kampf konnte sich der Favorit dann durchsetzen.

 

Somit stand am Ende der geteilte erste Platz für mich und es kam auf die Buchholz an. Dort hatte ich leider das Nachsehen (0,5 Punkte Unterschied), weshalb ich mich mit Platz 2 zufrieden geben musste. Dennoch ein großer Erfolg.

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